stefan's archive

designed for:
opera firefox

visitors:
kostenloser Counter

CMS-login

Helge Schneider: Und nun ein Gedicht

der eber liegt faul in der sonne
kartoffeln faulen in der tonne
der hahn kräht schallend auf dem mist
der bauer mäht, der ochse frißt

die hühner scharren dumm im dreck
die bäuerin nimmt etwas speck
und schmeißt ihn in die heiße pfann
damit man später essen kann

den bauernschmaus, den bauernschmaus
die schlachtung ist im eigenen haus
da kommt der trecker um die ecke
und macht hinten an der hecke

mit seinen dicken vorderfüßen
eine lange spur kaputter küken
den schlüssel ließ der bauer stecken
jetzt tut er sich die zähne lecken

zu spät sieht er den traktor humpeln
weit weg im stroh die augen funkeln
denn er ist wütend auf sich selber
im stall, da lachen schon die kälber

der trecker streckt sich noch mal lang
dem bauer auf dem Feld wird bang
das ungetüm rast auf ihn zu
es spaltet jetzt die erste kuh
und dann bäumt es sich hoch hinaus
und macht dem bauern den garaus
die bäuerin sieht von weitem zu
dann bückt sie sich zum rechten schuh

der schuh scheint ihr etwas zu drücken
drum tut sie sich jetzt tiefer bücken
die luft ist voll von vielen mücken
die bäuerin hat es auch im rücken

weit draus im feld der bauer ruft
körperteile fliegen durch die luft
der traktor hat sein ziel erreicht
der bauer einer pizza gleicht

die bäuerin stört das wirklich nicht
weil sie an ihren füßen riecht.

(Schneider Helge. "Und nun noch ein Gedicht." Arschfahl Klebte der Mond am Fenster. Köln: KiWi, 2004. 348-349.)

Ein echter Dichtergeniestreich versteckt sich hier in den Untiefen des Kommissar Schneider-Romans Der Mörder mit der Strumpfhose. Tiefbewegt gehe ich nun schlafen und hoffe, in meinen Träumen nicht von einem Traktor verfolgt zu werden.
2008-02-23 00:00:00